Der 100. Geburtstag des Betriebs: 6 Gründe dafür, dass es sich lohnt, eine Firmenchronik als Jubiläumsbuch herauszubringen

Die überwiegende Mehrheit aller deutschen Unternehmen befindet sich im Familienbesitz, häufig sogar im Besitz der ursprünglichen Gründerfamilie. Familienunternehmen haben große Bedeutung als Jobmotor und Antriebskraft der Wirtschaft, damit sind sie tragende Säule für Wachstum und Beschäftigung. Fakt ist aber auch: Weniger als zehn Prozent der Familienunternehmen bleiben bis in die vierte Generation im Besitz der Familie.

Deshalb ist ein so besonderes Ereignis wie ein 100. oder 125-jähriges Jubiläum ein perfekter Anlass für eine Firmenchronik

Viele inhabergeführte und traditionsreiche Unternehmen feiern solche Betriebsjubiläen auf besondere Weise: Sie lassen ihre Firmengeschichte aufschreiben. Warum auch nicht? Eine Firmenchronik, lebensnah und authentisch erzählt, ist ein wunderbares Instrument, um Nähe zum Kunden herzustellen, die Firmenphilosophie zu vermitteln und Mitarbeiterbindungen zu festigen.

Wie aber gehe ich vor beim Schreiben einer Firmenchronik?

 

Sabine Hense-Ferch von Redaktion-Lippstadt.de
Firmenchroniken und Jubiläumsbücher: Immer auch ein Stück Stadt- und Wirtschaftsgeschichte Foto: Hense-Ferch, http://www.redaktion-lippstadt.de

Am Anfang steht das Sichten zahlreicher Dokumente: Alte Urkunden, Geschäftsbriefe aus vergangenen Jahrzehnten – teilweise noch mit der Hand verfasst – alte Rechnungen und Abschriften von Kaufverträgen. Und Fotos natürlich: Die Gründerfamilie vor dem ersten Firmengebäude anno dazumal, der Geschäftsführer mit Pickelhaube als Leutnant der Reserve im Ersten Weltkrieg, der Seniorchef als Flakhelfer kurz vor Kriegsende. So entsteht aus vorhandenen Dokumenten ein erstes Gerüst. Es ist immer wieder faszinierend, die Unternehmerpersönlichkeit vor dem Hintergrund ihrer Zeit zu porträtieren. Und die Gelegenheit möchte ich ungern ungenutzt verstreichen lassen. Solange noch Zeitzeugen vorhanden sind, die erzählen können, wie „der Alte“ als Chef war, sollte man mit diesen ehemaligen Mitarbeitern sprechen. Deshalb ergänzen Mitarbeiterinterviews – besonders von Ehemaligen, die für das Unternehmen langjährig tätig waren – diese Arbeit. Hinzu kommt noch die Recherche in Stadt- und Wirtschaftsarchiven, die dazu beitragen, die Historie des Wirtschaftszweigs näher aufzuarbeiten. Nach Monaten akribischer Arbeit wird aus vielen Dokumenten, Faktensammlungen und Interviews eine Festschrift, die sich sehen lassen kann.

Firmenchroniken: Von der Idee zum hochwertigen Buch

Der Anstoß dazu, die bewegte Firmengeschichte zu Papier zu bringen, kommt oftmals direkt aus der Inhaberfamilie. Nicht selten sind es die Seniorchefs oder -chefinnen, die nach einem langen Berufsleben im Ruhestand endlich die Zeit finden, die eigene Geschichte, die ihrer Familie und ihres Unternehmens aufzuarbeiten und ihren Kindern und nachfolgenden Generationen als Geschenk zu hinterlassen.

Dann geht es ums Zusammenstellen sämtlicher Unterlagen für die Chronik, das Durchgehen des gesammelten Materials. Es wird sortiert, thematisch sinnvolle Abschnitte und Kapitel gebildet. Und schließlich Seite um Seite geschrieben. Als Journalistin kommt es mir nicht nur auf die Geschichte der Familie an, sondern auch darum, ein Stück Stadt- und Wirtschaftsgeschichte zu dokumentieren. Ist ein Unternehmen so lange an einem Standort verwurzelt, dann hat es in der Stadt seine Spuren hinterlassen. So ist einer der Firmenlenker vielleicht auch im Stadtrat aktiv gewesen, hat wichtige Meilensteine für die Stadt vorangetrieben, seine Söhne, Töchter und Enkel spielten später in den Aufbaujahren nach den beiden Weltkriegen möglicherweise eine bedeutende Rolle in der lokalen Wirtschaftsgeschichte. Was sich nicht anhand von Unterlagen, Zeitzeugen und privaten Briefen nachvollziehen lässt, kann recherchiert werden in Stadtbibliothek und im Stadtarchiv.

Firmenchronik und Jubiläumsbuch: Individuell gegliedert und layoutet

Die Chronik gliedert sich schließlich in verschiedene Abschnitte, ist chronologisch aufgebaut und nach den jeweiligen Gesellschaftern, die die Geschicke des Unternehmens durch teils stürmische Zeiten leiteten, unterteilt. Die letzten Kapitel werden nach persönlichen Interviews mit der derzeitigen Führungsriege geschrieben und beziehen sich dann auf die unternehmerischen Entscheidungen in der Gegenwart und die Planungen für die Zukunft.

Sabine Hense-Ferch beim Interview
Interviews mit Unternehmer und Mitarbeitern sind wichtige Beiträge zu Firmenchroniken. Foto: Pilzecker

Ist der Text fertig, macht sich die Graphik ans Werk, die Geschichte zu bebildern. Alte Briefe und Verträge werden eingescannt, hundertjährige Fotos mit speziellen Verfahren aufbereitet. An dieser Stelle ist es ganz besonders wichtig, ein individuell passendes Layout zu finden und das möglichst treffend zu bebildern, was der Text aussagt. Für jede Chronik wird ein individuelles Layout entwickelt, in dem Text, Fotos und Dokumente harmonieren, damit jede Firmengeschichte zu einem ganz besonderen Buch wird. So entsteht bei jeder Firmenchronik ein Stück Zeit- und Heimatgeschichte, das sich sehen lassen kann. Anschließend geht das Werk in die Druckerei, wo es in beliebiger Auflage gedruckt werden kann.

Warum aber sollten Firmen überhaupt ein Jubiläumsbuch herausgeben? Die Arbeit daran bindet Mitarbeiterressourcen, kostet Zeit und Geld. Aber es lohnt sich. 6 Gründe sprechen dafür:

  • Firmenchroniken sind für Traditionsunternehmen Instrumente des Image-Marketings und der Unternehmens–PR
  • Mit Firmenchroniken halten Unternehmerfamilien ihre Familiengeschichte und ihre Werte fest
  • Mit Firmenchroniken geben Unternehmen wichtige Erfahrungen weiter, von denen Gründer profitieren können
  • Firmenchroniken bedienen ein öffentliches Interesse. Sie sind interessant für die Allgemeinheit, weil das Unternehmen einen Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte der Stadt oder Region geleistet hat.
  • Mit der Firmenchronik Mitarbeiter binden und finden: Jubiläumsbücher sind wichtige Instrumente des Employer Brandings
  • Firmenchroniken bieten relevante Information für Stakeholder: Kunden, Geschäftspartner, Lieferanten und Messebesucher

1. Firmenchroniken sind für Traditionsunternehmen Instrumente des Image-Marketings und der Unternehmens-PR

Firmenchroniken sind eine wunderbare Methode, das eigene Unternehmen zu präsentieren und Nähe zu Kunden und Mitarbeitern herzustellen. Auch die Firmenphilosophie lässt sich dabei hervorragend abbilden: Wie stark ist das Unternehmen von Traditionen und Werten bestimmt? Woher kommt sein Denken und Handeln? Gerade in Südwestfalen, in Ostwestfalen-Lippe und im Münsterland gibt es eine ganze Reihe traditioneller Familienbetriebe, die aus ihrer langen und wechselvollen Geschichte eine Menge zu erzählen haben und für die eine solche Chronik eine gute Investition ist. Werte wie Qualität, Unabhängigkeitsstreben, Innovationsfreude, fairer Umgang mit Mitarbeitern, Maßhalten und Nachhaltigkeit, Fleiß, Kreativität und Ehrlichkeit können darin zum Ausdruck kommen. In einer Chronik geht es nämlich nicht in erster Linie um die harten Fakten wie Produkte und Dienstleistungen, Umsatzzahlen und Absatzgebiete, sondern eher um die „weichen Faktoren“. Das Unternehmen wird dargestellt in seinem Werdegang, seiner Zähigkeit und Beharrlichkeit, seiner Art des Umgangs mit Mitarbeitern, den Management-Qualitäten, der Innovationsorientierung, Zuverlässigkeit und Dauerhaftigkeit, aber auch seinem eventuellen Engagement für die Allgemeinheit oder den Umweltschutz. In anonymen Großunternehmen müssen solche Dinge mit Hilfe einer Corporate Identity inszeniert werden – bei den meisten Familienunternehmen gibt es eine Kultur zum Anfassen. Gibt es ein besseres Marketinginstrument gerade für mittelständische inhabergeführte Unternehmen? Hier zeigt sich Qualität, Anspruch, jahrzehntelange Tradition. Bei vielen Familienunternehmen ist es noch heute so: Man lebt nicht nur von, sondern vor allem für das Unternehmen. Das Unternehmen ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Lebenswerk, man denkt und plant als Unternehmer und als Familie in langen Zeiträumen.

Solche Firmenchroniken und Jubiläumsbücher sind aber auch Mittel der Unternehmens-PR, also der Öffentlichkeitsarbeit, indem sie Meinungsbildner wie Journalisten, Verbandspräsidenten und Wirtschaftsförderer erreichen und so ein positives Image aufbauen. Auch für die örtliche Stadtbücherei und für den Chef der Hausbank kann die Firmenchronik interessant sein.

2. Mit Firmenchroniken halten Unternehmerfamilien ihre Familiengeschichte und ihre Werte fest

Gerade bei sehr alten Firmen gibt es mehrere Generationen von Unternehmerpersönlichkeiten, die das Unternehmen durch unterschiedliche Führungsstile geprägt haben. Unternehmer, die ihre ganze Energie und Fähigkeiten, ihr Herzblut und ihre Kraft in den Fortbestand der Firma gesteckt haben. Nachhaltigkeit kann so dokumentiert werden. Ein solches Buch ist eine wichtige Erinnerung für künftige Generationen der Familie, für Kinder und Enkel, auch für die Familien der Mitarbeiter, ein Stück Unsterblichkeit. Erinnerungen weitergeben bedeutet: Geschichten der Vorfahren erzählen, Lernen aus deren Leben, erkennen, was für Weichen im eigenen Leben gestellt werden müssen und wissen woher man kommt. Einige „Paradegeschichten“ aus dem Leben der Eltern, Großeltern und vielleicht sogar Urgroßeltern kennt man – aber nicht, wie sie alltäglich gelebt, gearbeitet, ihren Alltag gestaltet und ihr Unternehmen gelenkt haben. Das Kennen der Lebensgeschichten der Vorfahren ist wichtig für die Nachkommen. Mit dem Tod eines Menschen geht ein ganzes Universum einmaliger Erfahrungen verloren, wenn man die Dinge aufschreibt, bleiben sie erhalten. Und: gerade für Familien, die über mehrere Generationen ein Unternehmen leiten, ist es wichtig, immer wieder zu reflektieren und Konsequenzen aus den Erfahrungen der Vorfahren zu ziehen.

 „Unsere Firmenchronik wird für alle, die interessiert sind und auch für künftige Generationen ein interessantes Nachschlagewerk bleiben, aus dem das Lebenswerk und das unserer Vorväter erkennbar ist“, sagte Allan Brülle, Geschäftsführer der Brülle & Schmelzer GmbH in Lippstadt, deren Chronik ich anlässlich des 150-jährigen Firmenjubiläums 2006 geschrieben habe. Ähnlich sieht das auch Gabriele Voigt, die in vierter Generation das Unternehmen Conacord leitete, bevor sie den Stab in Ihren Sohn Claudius Voigt übergab: „Ich habe das Buch mit Frau Hense-Ferch in Angriff genommen, weil ich denke, dass es wichtig ist, die Erinnerungen aufzuschreiben, bevor sie vergessen werden. Und natürlich kann man ganz nebenbei seine Firma auf diese Weise präsentieren und die Werte, die sie verkörpert, wie die Verbundenheit mit der Heimat und der Tradition, aber auch die Verpflichtung den Mitarbeitern und Kunden gegenüber, die für uns immer an erster Stelle stehen und standen“.

3. Mit Firmenchroniken geben Unternehmen wichtige Erfahrungen weiter, von denen Gründer profitieren können

Aber auch für Unternehmer, die eine Firma aufgebaut haben und sie jetzt in die Hände der nachfolgenden Generation weitergeben, lohnt eine Dokumentation. Ein Gründer, der diesen Aufbauprozess mit all seinen Schwierigkeiten erzählen möchte, ist ein interessanter Zeitzeuge. Ein Gründerporträt erfüllt eine wichtige Funktion im Prozess der Firmenübergabe. Durch die Dokumentation seiner Lebensgeschichte stellt der Gründer seine vielfältigen Erfahrungen zur Verfügung. Zugleich können die „Junioren“ über die Publikation ihre Wertschätzung des Seniors öffentlich zeigen.

Aber ein solches Buch soll dabei nicht „Lobhudelei“ sein und allein Erfolge darstellen, es soll gerade nicht vergangenen und aktuellen Firmenlenkern ein Denkmal setzen: Auch und gerade der Umgang mit Misserfolg, Krisen, Schicksalsschlägen ist interessant. Die kritische Auseinandersetzung mit schwierigen Entscheidungen und Irrwegen ist wichtig und macht ein Unternehmen und die Unternehmerfamilie stark. Man lernt aus Erfahrungen, gewinnt Gelassenheit, Stärke und Durchhaltewillen.

4. Firmenchroniken bedienen ein öffentliches Interesse. Sie sind interessant für die Allgemeinheit, weil das Unternehmen einen Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte der Stadt oder Region geleistet hat.

Traditionsreiche Unternehmen haben spannende Zeiten erlebt: Krieg und Aufbaujahre, Wirtschaftswunder, Inflation, Boomzeiten und Flauten. Daraus ergeben sich Fragen:

  • Der Wandel im Unternehmen: Wie wurden Krisen gemeistert?
  • Wann und wie wurden unternehmerische Akzente gesetzt?
  • Welchen Führungsstil hatten vergangene Geschäftsführer?
  • Wie wurden erfolgreiche Geschäftsabschlüsse angebahnt?
  • Wie schaffte man es, sich immer wieder am Markt zu behaupten, innovativ zu sein, Nischen zu finden und neue Wege einzuschlagen?

Erfolge und Krisen sind entscheidende Meilensteine der Unternehmensgeschichte: Erst im gelebten Leben ist Geschichte nachvollziehbar: Man muss nicht Bertelsmann oder Oetker heißen, um als Unternehmen eine spannende und wechselvolle Geschichte erlebt zu haben.

5. Mit der Firmenchronik Mitarbeiter finden und binden: Firmenchronik sind wichtige Instrumente des Employer Brandings

Eine Firmenchronik kann auch ein Dankeschön an die Mitarbeiter bedeuten. Das Jubiläumsbuch kann zeigen, welchen Stellenwert die Mitarbeiter im Unternehmen haben, was das Unternehmen ihnen alles verdankt. Es gibt Generationen von Mitarbeitern, bei denen man sich auf diese Weise für Ihren Fleiß und ihre Treue bedanken kann. Es macht stolz, wenn man sich in diesem Buch wieder findet, es fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Belegschaft, die Identifikation mit und Bindung an das Unternehmen. In Zeiten des Fachkräftemangels und der steigenden Ansprüchen von Arbeitnehmern an ihren Arbeitgeber ist eine Firmenchronik ein bedeutendes personalpolitisches Instrument, es erhöht die Personalzufriedenheit, stärkt Motivation, erhält Leistungsfähigkeit und –willigkeit. Und das spiegelt sich letztlich auch im Umgang mit Kunden und deren Wahrnehmung von der Qualität der Leistung niederschlägt. Mitarbeitern können Unternehmen mit einer Firmenchronik relevante Informationen geben, sie am Firmengeschehen beteiligen, Werte vermitteln.

6. Firmenchroniken bieten relevante Informationen für Stakeholder: Kunden, Lieferanten, Interessenten, Geschäftspartner, Messebesucher

Die Kundenansprache in Familienunternehmen ist gewöhnlich eine sehr persönliche. Ein Jubiläumsbuch passt hervorragend dazu! Unternehmen können mit einer Firmenchronik Bilanz ziehen: Warum Entscheidungen so getroffen wurden und nicht anders, warum sie Produktlinien ins Programm genommen haben, warum neue Märkte zu bestimmten Zeiten interessant waren. Unternehmen können mit einer Firmenchronik Werte und Qualitätsmaßstäbe vermitteln, das fördert Vertrauen und Respekt. Und schließlich: Eine Firmenchronik ist ein wunderbares Präsent für Kunden, Geschäftspartner und die Gäste der Jubiläumsfeier.

Und hier finden Sie weitere Informationen über meine Arbeit an Firmenchroniken.