Lippstädter Migrantenvereine kooperieren in Projekten für den Nachwuchs

Nichts beschäftigt die Lippstädter derzeit so sehr wie das Thema Flüchtlinge. Und während zahlreiche professionelle und ehrenamtliche Helfer im Einsatz sind, um den Neuankömmlingen einen guten Start zu ermöglichen, formiert sich auch aus den Reihen derer, die vor Jahren in Lippstadt eine neue Heimat gefunden haben und die genau wissen, wie schwierig ein Start manchmal sein kann, ein Netzwerk: Mehrere Migrantenvereine haben in Verbindung mit engagierten Privatpersonen Projekte ins Rollen gebracht, die Kindern aus Zuwandererfamilien zum Bildung verhelfen wollen. Weitere Projekte sind in Planung. „Wir wollen damit einen Beitrag zur Integration leisten, uns einmischen und Verantwortung übernehmen“, sagt Maria Massidda, Projektleiterin und Sprecherin des neuen Bündnisses.

Viele der jungen Teilnehmer waren begeistert von der Aufgabe. Foto: Massidda
Viele der jungen Teilnehmer waren begeistert von der Aufgabe. Foto: Massidda

Vor wenigen Tagen fand die Abschlussveranstaltung „Fotostory 2.0: Fotografiere Deine Geschichte“ statt, bei der rund 40 Migrantenkinder zwischen acht und fünfzehn Jahren mitgewirkt haben. Die Kinder konnten nach einer vorgelesenen Geschichte ihre eigenen Ideen zum Thema Flucht entwickeln, sie per Tablet und Bildbearbeitungssoftware in eine Fotostory umbauen und schließlich präsentieren.
Beim ersten Treffen wurde in der Bibliothek eine Geschichte zum Thema Flüchtlingskinder in Deutschland gelesen und auch erste Testfotos für Fotostories gemacht. Das zweite Treffen fand im Indoor-Spielplatz in Soest statt, wo die Kinder ein paar unbeschwerte Stunden beim Spielen und Toben genießen und sich besser kennenlernen konnten. „In Soest war sehr schön zu beobachten, wie sich beide Gruppen das erste Mal begegnet sind und sofort zusammengefunden haben“, berichtet Projektleiterin Maria Massidda.

Maria Massidda zieht eine positive Bilanz und möchte weitere Projekte anstoßen. Foto: Massidda
Maria Massidda zieht eine positive Bilanz und möchte weitere Projekte anstoßen. Foto: Massidda

Beim dritten Zusammentreffen wurden mit Hilfe der drei Ehrenamtlichen Kai Jacobs, Rainer Heither und Katharina Siekmann die Bilder ausgewählt, bearbeitet und im Bildbearbeitungsprogramm zu einer Fotostory zusammengeführt. Abschließend präsentierten die Kinder ihre Bildergeschichten und vor allem die Ideen und Wünsche dahinter auf einer offenen Veranstaltung. Mit dabei waren neben den Eltern und Interessierten auch die SPD Landtagsabgeordnete Marlies Stotz.

Ein Projekt, das gleich in mehrfacher Hinsicht ein voller Erfolg war: „Wir konnten damit einerseits viele Flüchtlingskinder und andere Kinder mit ausländischen Wurzeln ansprechen, die nur schwer Zugang zu Bildungsmöglichkeiten haben, sie zueinander in Kontakt bringen und ihnen spielerisch den Umgang mit modernen Medien zeigen“, so Maria Massidda, Mitglied im Integrationsrat der Stadt und Initiatorin des Projekts. Aber auch in anderer Hinsicht sei das Projekt erfolgreich gewesen: „Wir haben wieder einmal gezeigt, dass verschiedene Migrantenvereine und andere Institutionen erfolgreich an einem Strang ziehen können, wenn es um eine gute Sache geht“. An dem Projekt waren nämlich der Bildungs- und Kulturverein der West Thrakien Türken Lippstadt e.V. ebenso beteiligt wie der Türkische Elternverein sowie weitere Organisationen wie der Lippstädter Studentenverein Nexxage e.V und Vertreter der Stadt wie Werner Kalthoff als Fachdienstleiter Soziales und Integration und Büchereileiterin Ulrike Weyrich.

Die Qualifizierungsschulung der Stiftung “Digitale Chancen” fand in Lippstadt im Cartec statt, wo die Seminarräume kostenlos zur Verfügung gestellt wurden.
Gute Noten bescheinigt dem Fotoprojekt auch die beteiligte Sozialpädagogin Katharina Siekmann: „Für mich erstaunlich war, wie selbstverständlich die Kinder von Anfang an miteinander umgegangen sind. Unabhängig von Alter, Kultur oder Sprache. Es gab keinen Streit untereinander – und das habe ich schon ganz anders erlebt. Im Gegenteil: Es haben sich Freundschaften gebildet, man half sich gegenseitig. Sehr bemerkenswert fand ich ebenfalls, wie schnell die Kinder den Umgang mit den Tablet-Computern gelernt haben“, so die Sozialpädagogin. „Darüber hinaus gefielen mir die Begeisterung Einzelner für Bücher und das Lesen wie auch das Schreiben und das Erlernen der deutschen Sprache. Mit unserem Projekt ist es uns gelungen, dass viele Kinder sich einen Büchereiausweis zugelegt haben. Damit können wir den Weg zur Bildung weiter öffnen!“

„Wir können gemeinsam viel für Flüchtlingskinder und Kinder aus bildungsfernen Familien erreichen und wollen in Zukunft noch stärker zusammen arbeiten“, erklären Alpay Ahmet, Vorsitzender des Bildungs- und Kulturverein der West Thrakien Türken Lippstadt sowie der Vorsitzende des Studentenverein Nexxage. e.V. Pascal Siekmann und Maria Massidda. Die 49-Jährige weiß, wovon sie spricht, sie hat drei Nationalitäten in der eigenen Familie und hat durch ihre berufliche Laufbahn als Bürokauffrau und IT-Expertin erfahren, wie wichtig Bildung für die Integration ist. Deshalb liegt ihr die Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen auch so am Herzen. Seit 2014 ist sie Mitglied im Integrationsrat der Stadt – als Einzelkandidatin. In der Vergangenheit hatte sie bereits ein Projekt für Migrantenkinder angestoßen und erfolgreich durchgeführt: Den Leseclub, der in Verbindung mit der Stiftung Lesen im Bewohnerzentrum in der Juchaczstraße über drei Jahre konzipiert ist und Kinder aus Flüchtlings- und Migrantenfamilien zum Lesen anregen soll. Die vergangenen Erfolge haben die zweifache Mutter zu weiteren Projekten animiert: Die Anträge für ein Projekt mit der Robert-Bosch-Stiftung sind gestellt, das Medienworkshops mit Kindern, Jugendliche und Frauen vorsieht und ein weiteres Projekt zum Thema „Bilderbuchkino“ für Drei- bis Sechsjährige ist ebenfalls in Arbeit. „Auch hier werden wieder Lippstädter Migrantenvereine und die Studentenorganisation Nexxage eingebunden sein. Trotz politischer und wirtschaftlicher Schwierigkeiten wollen wir uns beteiligen und für dieses wichtige Ziel eine gute Arbeit leisten – da sind sich alle Kooperationspartner einig. Da eine systematische Förderung von Migrantenorganisationen als Träger von Integrationsangeboten in der Vergangenheit nicht stattgefunden hat, suchen wir uns über die überregionalen Träger die Unterstützung und Förderung, die wir brauchen. Das funktioniert – und trägt sicher ganz erheblich zu Akzeptanz und Integration bei“, ist Massidda überzeugt. Wer sich an den Projekten beteiligen möchte, kann unter familia2307@gmail.com oder unter Telefon 0159 04063704 mit Maria Massidda in Kontakt treten.

Bei diesem Text handelt es sich um eine Pressemitteilung, die ich im Auftrag des Bildungs- und Kulturverein der West Thrakien Türken Lippstadt e.V. getextet habe. Hier finden Sie weitere Informationen zur Pressearbeit.