Pressearbeit für den Förderverein der Gesamtschule Lippstadt

Seit einigen Jahren arbeite ich ehrenamtlich für den Förderverein der Gesamtschule Lippstadt – in der ersten Zeit habe ich den Aufbau der Schulbibliothek unterstützt und seit einigen Jahren organisiere ich Lesungen für die Schülerinnen und Schüler der jeweils achten und zwölften Jahrgänge. Ich wähle die Autoren aus, spreche Termine ab und lade sie ein, kümmere mich um die gesamte Abwicklung, schreiben einen Bericht für die Presse und erlebe immer wieder spannende Vormittage mit renommierten Autorinnen und Autoren in der Schule. In diesem Jahr waren die Bochumerin Sarah Meyer-Dietrich und die Kölnerin Ute Wegmann zu Gast. Hier folgen die Berichte zu den Lesungen.

Episoden auf dem Bahnhof

Autorin Sarah Meyer-Dietrich liest vor Oberstufenschülern der Gesamtschule

Sarah Meyer-Dietrich zu Gast in der Gesamtschule. Fotos: Sabine Hense-Ferch

Sie schreibt, seit sie schreiben kann: Romane, Geschichte, Gedichte, Briefe und Zeitungsartikel. „Viele Geschichten und einige Romane habe ich nie veröffentlicht, sie liegen in der Schublade – eigentlich zu Recht“ verriet Sarah Mayer-Dietrich schmunzelnd ihrem Publikum. Die Schriftstellerin, die eigentlich Dr. Sarah Malers heißt, war bei den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 12 der Gesamtschule zu Gast. Auf Einladung des Fördervereins war die 39-Jährige Bochumerin nach Lippstadt gekommen, um aus ihrem Episodenroman „Immer muss man mit Stellwerksbränden, Streiks und Tagebrüchen rechnen“ zu lesen, der von einer jungen Frau handelt, die mit der Bahn unterwegs ist und während ihrer Reise die unterschiedlichsten Typen kennenlernt: Eine Abiturientin, die sich in dem Sommer zwischen Schule und Studium in Ole verliebt, mit dem sie 13 Jahre lang zur Schule gegangen war und nun – da beide in unterschiedlichen Städten studieren – eine schwierige Fernbeziehung wagt. Oder das Mädchen, das erst als Jugendliche erfährt, dass es adoptiert ist. Den Eltern, die sie nur noch „die Menschen, die keine Eltern sind“, nennt, kann sie die Lüge nicht verzeihen, eine geplante Aussprache mit der leiblichen Mutter im Bahnhofscafé scheitert zunächst. Sie findet erst dann statt, als die Tochter wegen ihrer Magersucht im Krankenhaus landet. Immer findet Sarah Meyer-Dietrich schöne poetische Worte und Beschreibungen, spielt sie mit Worten und Formulierungen. Manches nennt sie bewusst nicht beim Namen, überlässt der Fantasie ihrer Zuhörer und Leser die Deutung. Überhaupt gehen ihren Protagonisten manchmal seltsame Dinge durch den Kopf. Und bei einigen Gedanken, die Meyer-Dietrich beschreibt, erkennen die Schülerinnen und Schüler sich selbst wieder.

Die preisgekrönte Schriftstellerin war aus Bochum angereist.

Die Autorin, promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin, verriet eine Menge über ihre Arbeit als Schriftstellerin und Leiterin von Schreibwerkstätten – und die Oberstufenschüler dankten es ihr mit vielen Fragen zu ihrer Arbeit und großem Interesse. Der Förderverein der Schule hatte diese Lesung in Verbindung mit der NRW-Kulturförderinitiative „Werkproben“ möglich gemacht. Meyer-Dietrich, deren Bücher mit mehreren Literaturpreisen geehrt worden sind, las vor den Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule einige prägnante Kapitel aus dem Episodenroman und dazu noch Ausschnitte aus einer Kurzgeschichte, die sie für eine Literaturzeitschrift geschrieben hatte. Während und nach der Lesung beantwortete die 39-jährige Schriftstellerin Schülerfragen und sprach auch sehr offen über ihren persönlichen Werdegang und ihre Arbeit als Autorin.  Woher sie ihre Ideen nehme und welche Themen ihr die liebsten seien, wollten die Schüler wissen, ob sie vom Schreiben leben könne und ob sie immer schon gewusst habe, dass sie eines Tages Bücher schreiben werde.

Ein Tabu zum Thema gemacht

 Kölner Autorin Ute Wegmann zu Gast im „Forum“ der Gesamtschule

Ute Wegmann las aus ihrem Jugendroman „Never alone“.

Da sind die vier Jungs Florian, Johann, Marc und Nick. Romanfiguren wie aus dem richtigen Leben, allesamt dicke Freunde und „kurz vor“ 16 Jahre alt. Jeder hat so seine Probleme: Marc wird von der Freundin verlassen und ist völlig gefrustet, Florian lebt allein mit seiner Mutter, weil der Vater eine neue Liebe gefunden hat, Nicks Vater wiederum wird im Laufe des Romans einen tödlichen Autounfall erleiden. Die eigentliche Story aber dreht sich um Sex. Das jedenfalls kündigt die prämierte Kinder- und Jugendbuchautorin Ute Wegmann schon zu Beginn ihrer Lesung in der Gesamtschule an.

Um die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 8 gleich in gespielter Sorge zu fragen: „Ihr seid doch schon 14, oder?“ Zwar konnten das nicht alle Zuhörerinnen und Zuhörer bejahen, doch es tat der Spannung keinen Abbruch. Im Gegenteil: Während der Lesung waren die Achtklässler mucksmäuschenstill. Nicht nur wegen der skandalösen Ankündigung der Kölnerin, die auf Einladung des Fördervereins der Gesamtschule Lippstadt, der diese Lesung in Verbindung mit der NRW-Kulturförderinitiative „Werkproben“ initiiert hatte, gekommen war, sondern auch, weil im Laufe der Geschichte des Jugendromans „Never alone“ ein ungeheuerliches Tabu zum Thema gemacht wird. Es sorgt für atemlose, gebannte Stille: Johann – der vierte im Bunde – nämlich wird von einer viel älteren Frau verführt, für deren Sohn er den Babysitter spielt. Ein Thema, über das in der Gesellschaft selten gesprochen wird und das dennoch – im Falle des Romans – auf  wahre Geschehnisse zurückgeht. Denn, so verrät die Autorin während der Lesepausen, eine solche Geschichte sei einigen jungen Männern, die sie persönlich kenne, tatsächlich passiert.

Für die Jugendlichen harter Tobak, den die sympathische Autorin aber so einfühlsam präsentierte, dass jeder aus dem Publikum mit Johann und seinen wechselnden Gefühlen mitfieberte. Erst flüchtet der vor den Zudringlichkeiten, dann befürchtet er, eine gute Gelegenheit verpasst zu haben. Wie die Geschichte im Detail weitergeht, erfahren die Schülerinnen und Schüler zwar während der Lesung nicht, dafür lässt ein kurzer Abschnitt aus dem letzten Kapitel erahnen, was im Laufe der Geschichte noch alles passieren wird.

Die Lesepausen zwischen einzelnen Kapiteln leitet Ute Wegmann mit Musik ein – für viele der jungen Zuhörerinnen und Zuhörer eine willkommene Gelegenheit, erst einmal ein wenig Luft zu holen und durchzuatmen. Diese Lesepausen bieten dann auch eine gute Möglichkeit, andere Themen anzuschneiden und ein wenig miteinander zu plaudern: Über den Beruf der Autorin oder die Arbeit als Regisseurin der „Lach- und Sachgeschichten“ mit der Maus und als Radiomoderatorin beim Deutschlandfunk. Woher sie denn ihre Ideen nehme und welche Bücher sie selbst gern lese, wollten die Jugendlichen von Ute Wegmann wissen. Was sie als Autorin üblicherweise an einem Buch verdiene und wieviele Stunden am Tag sie schreibe (Antwort: „Ein paar Stunden am Morgen – da kommen einem die besten Ideen“). Und welches ihrer Bücher ein Bestseller geworden sei (Antwort: Wegmanns Roman „Sandalenwetter“ hat  es sogar in die Liste der empfohlenen Schulbuchlektüren geschafft).

Schließlich gibt die Kölner Schriftstellerin den Gesamtschülern noch einen guten Rat mit auf den Weg: „Man muss kein Buch zu Ende lesen. Bei manchen Büchern weiß man schon nach ein paar Seiten, dass sie nichts taugen“. Wer aus dem Publikum auf die Bücher von Ute Wegmann neugierig geworden war, wird in nächster Zeit Gelegenheit haben, mehr von ihr zu lesen. Die sympathische 60-Jährige schenkte den Jugendlichen nämlich zwei Romane für ihre „Leselounge“. Die Mediothek der Gesamtschule, von den Schülern „Leselounge“ getauft, ist ebenfalls ein Projekt des Fördervereins und wird von Eltern und Lehrern ehrenamtlich betreut.

Und hier finden Sie weitere Berichte von Lesungen, die ich ehrenamtlich betreut habe:

Und hier finden Sie weitere Informationen über meine Arbeit als Texterin von Pressemitteilungen

Aufs klassische Happy End warten ihre Leser vergeblich

Autorin Susann Kreller zu Gast in der „Leselounge“ der Gesamtschule

Für ihre Bücher recherchiert Susann Kreller akribisch: Um herauszufinden, wie altes Parkett knarzt, wenn man darüber geht, sucht sie manchmal alte Häuser auf. Um zu fühlen, wie Kehle und Blutdruck reagieren, wenn man puren Wodka trinkt, hat sie den Selbstversuch gewagt – und um zu erfahren, wie 80-jährige über ihre Lebenssituation denken, führt sie Gespräche mit Menschen in Seniorenheimen. Susann Kreller, die jetzt im Rahmen einer Lesung zu Gast in der „Leselounge“ der Städtischen Gesamtschule war, verriet eine Menge über ihre Arbeit als Schriftstellerin – und die Achtklässler dankten es ihr mit vielen neugierigen Fragen und großem Interesse. Der Förderverein der Schule hatte diese Lesung in Verbindung mit der NRW-Kulturförderinitiative „Werkproben“ möglich gemacht. Kreller, deren Bücher mit mehreren Literaturpreisen geehrt worden sind, las aus ihrem Werk „Schneeriese“. Darin geht es um die langjährige Freundschaft zwischen den beiden Jugendlichen Adrian und Stella, die auf eine harte Probe gestellt wird, als Stella sich in den Nachbarsjungen verliebt. Und Adrian, der 1,90 Meter große 15-Jährige, der in der Schule wegen seiner Größe oft gehänselt wird, ohne seine Freundin und Beschützerin zurückbleibt.

Die Bielefelder Autorin Susann Kreller zu Gast in der Gesamtschule Lippstadt. Foto: Sabine Hense-Ferch
Die Bielefelder Autorin Susann Kreller zu Gast in der Gesamtschule Lippstadt. Fotos (2): Sabine Hense-Ferch

Kreller las vor den Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule einige prägnante Kapitel aus dem Buch – ohne zu viel darüber zu verraten, wie die anrührende Geschichte schließlich endet. Das können die Jugendlichen in den nächsten Wochen selbst nachlesen, denn der Förderverein hat anlässlich der Lesung gleich einige Bücher der Autorin angeschafft. Während und nach der Lesung beantwortete die 39-jährige Schriftstellerin aus Bielefeld, die in Sachsen aufgewachsen ist, Schülerfragen und sprach auch sehr offen über ihren persönlichen Werdegang und ihre Arbeit als Autorin.  Wie lange sie an ihren Romanen schreibe und wo sie am liebsten schreibe, wollten die Schüler wissen, woher ihre Ideen kämen, ob sie vom Schreiben leben könne und ob sie immer schon gewusst habe, dass sie eines Tages Bücher schreiben werde. Freimütig erzählte die promovierte Germanistin und Anglistin aus Ihrem Leben: „Mit 16 Jahren habe ich meine ersten Geschichten geschrieben, es hat lange gedauert, bis ich mich das getraut habe, weil ich immer dachte, das könnten nur ‚richtige‘ Schriftsteller“. Ihre ersten Geschichten hätten dann immer tödlich geendet für die Protagonisten. Das sei heute zwar nicht mehr der Fall – dennoch: Ein klassisches Happy End à la Hollywood mag sie nicht. „Das gibt es im richtigen Leben ja auch nicht und schließlich schreibe ich realistische Jugendromane“, so Kreller, die über Literaturwettbewerbe an ihren heutigen Herausgeber, den bekannten Carlsen-Verlag, gekommen ist.

Susann Kreller las mehrere Kapitel und beantwortete die zahlreichen Fragen der Achtklässler.
Susann Kreller las mehrere Kapitel und beantwortete die zahlreichen Fragen der Achtklässler.

„Ich brauche manchmal mehrere Jahre für ein Buch, weil ich immer wieder die Arbeit daran unterbreche, um Geschichten fürs Radio zu schreiben“, verriet die sympathische Schriftstellerin. „Vor allem, wenn ein Thema sehr traurig, ist wie das Thema ‚Kindesmissbrauch‘ in meinem ersten Roman ‚Elefanten sieht man nicht‘, dann kann es sein, dass ich mal zwischendurch etwas lustiges schreiben muss, um mich selbst aufzuheitern“. Und natürlich ist da noch die akribische Recherche für jedes Werk, die die Arbeit daran in die Länge zieht: Jedes ungewöhnliche Geräusch, jeden seltenen Geruch prüft die Autorin nach. Auch die Suche nach den passenden Namen für ihre Helden gestaltet sich oft schwierig: „Es kommt dann manchmal vor, dass ich Telefonbücher oder Klingelschilder von Mietshäusern nach Namen absuche, die ich verwenden könnte. Ein Romanheld muss ja auch einen realistischen Namen haben, meint Kreller. Und schließlich brauche auch die Vorbereitung für ein Buch ihre Zeit: Erst wenn sie sich alle Personen genau vorstellen könne, mit ihren Eigenheiten und Merkmalen, und die Struktur des Buchs von Anfang bis Ende stehe, dann fange sie mit dem Schreiben an, verriet sie.

Die Mediothek der Gesamtschule, von den Schülern „Leselounge“ getauft, ist vor vier Jahren mit einem Anfangsbestand von 800 Medien eröffnet worden und seitdem kontinuierlich angewachsen. Sie wird von Eltern und Lehrern ehrenamtlich betreut.

Hier erfahren Sie mehr über meine Arbeit an Pressetexten und Pressemitteilungen