Jetzt online: Relaunch von Lippstadt.de – die neue Webseite der Stadt Lippstadt

Lippstadt - jetzt mit neuer Webseite
Lippstadt – jetzt mit neuer Webseite. Blick aufs Holocaust-Mahnmal und die Marienkirche. Fotos: Sabine Hense-Ferch

Eines der größten Projekte seit Beginn meiner Arbeit als freie Journalistin und Texterin ist jetzt zum erfolgreichen Abschluss gekommen: Pünktlich zum heutigen 15. Oktober 2018 ist sie online gegangen, die neue Webseite der Stadt Lippstadt und der KWL GmbH! Glückwunsch zum gelungenen Relaunch von Lippstadt.de!

Seit Mitte vergangenen Jahres war ich als Texterin eingebunden in das umfangreiche Projekt.

Anfangs bestand meine Aufgabe darin, die vorhandenen Texte gründlich unter die Lupe zu nehmen, nutzerfreundlich umzuschreiben, zu aktualisieren und neu zu strukturieren. Teilweise mussten Texte ganz neu geschrieben werden, teilweise habe ich aus dem vorhandenen Material Inhalte entnommen und neu zusammengefügt. Das Problem dabei: Die Texte der „alten“ Webseite waren nicht nur zum Teil inhaltlich überholt, es gab auch Doubletten und Inhalte, die wenig anwenderfreundlich waren.

Rathausplatz Lippstadt und Blick aufs Stadtpalais (links)
Gastronomie auf dem Rathausplatz Lippstadt. Links das Stadtpalais.

Alle Inhalte waren auf die folgenden Punkte zu überprüfen: Was interessiert die Nutzer von Lippstadt.de, welche Fragen möchten die Bürger beantwortet haben? So übersichtlich wie möglich, so kurz wie nötig. Im Laufe der folgenden Monate nahm ich mir die verschiedenen Themen Schritt für Schritt vor. Stadthaus, Leben in Lippstadt, Stadtraum, Kultur und Tourismus lauteten die großen Überschriften, zu denen ich unzählige Unterseiten bearbeitete, um die Inhalte gut strukturiert aufzubereiten. Inhaltlich immer in enger Absprache mit Miriam Schleifer und Julia Scharte vom Presseamt der Stadt Lippstadt für sämtliche Themen der Stadtverwaltung, mit Carmen Harms und Lara Schwientek für die Bereiche Kultur und Tourismus. Hier hat die Stadt Lippstadt weitere Informationen zu den Hintergründen des Projekts und den Anforderungen an die neue Webseite zusammengestellt.

 

Stiftsruine Lippstadt
Alte Mauern inmitten der Stadt: Stiftsruine Lippstadt

Einige Themen habe ich ganz neu aufbereitet und zum Teil mit FAQs zu wichtigen Fragestellungen versehen. Ich habe Interviews geführt mit Bürgermeister Christof Sommer zur Stadtentwicklung, mit Fachdienstleiter Wolfgang Streblow zur Kulturentwicklung, mit der Museumsleiterin Dr. Christine Schönebeck zum Museum und mit KWL-Geschäftsführerin Carmen Harms zur Theatersanierung.

Im Laufe des Winters durchliefen die Texte die erste Korrekturphase, dann ging’s im Frühjahr und Sommer an den Aufbau der einzelnen Seiten und Unterseiten. Ich habe arbeitsteilig mit den Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung Texte ins Content-Management-System Typo 3 eingepflegt, Seiten angelegt und ein Layout ausgewählt, passende Bildmotive ausgesucht und Überschriften getextet. Reichlich Arbeit, bis alles passte. Und dann ging’s noch einmal in die Korrekturschleife…

Das Metzgeramtshaus in Lippstadt.
Das Metzgeramtshaus in der Lippstädter Poststraße.

Und heute sind „wir“ online. Klasse! Ein spannendes Projekt geht (vorläufig) zu Ende. Fazit: Eine tolle Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen der Pressestelle und der KWL, eine vielfältige und anspruchsvolle Aufgabe, die mir großen Spaß gemacht hat und bei der ich viel gelernt habe – an technischem Know-how im Umgang mit Typo 3, aber auch inhaltlich zu den vielfältigen Themen einer Kommune.

Geschichte und Fiktion perfekt verwoben

Rita Maria Fust liest aus ihrem ersten Roman

Lange war er erwartet worden, seit einigen Tagen ist er im Buchhandel – gestern wurde er von der Autorin persönlich vorgestellt: Der Kaufmann von Lippstadt. Rita Maria Fust las sehr lebendig aus ihrem 325-Seiten starken Erstlingswerk im Lippstädter Stadtarchiv. An dem Ort, an dem vor vier Jahren alles begann.Rita Maria Fust stellte ihren ersten Roman vor.

Rita Maria Fust stellte ihren ersten Roman vor. Fotos: Hense-Ferch
Rita Maria Fust stellte ihren ersten Roman vor. Fotos: Hense-Ferch

Im Sommer 2010 nämlich, berichtete die Autorin vor einigen Wochen im Elippse-Interview, kam sie im Rahmen des Tages der Archive mit Dr. Claudia Becker als Leiterin des Stadtarchivs ins Gespräch. Diese erzählte ihr von interessanten Ereignissen der Lippstädter Geschichte, zum Beispiel der großen Explosion von 1764, die im kriegsgebeutelten Lippstadt – damals war der siebenjährige Krieg gerade vorbei und in der Stadt wurden noch Schießpulverreserven größeren Ausmaßes gehortet – verheerenden Schaden anrichtete. Überliefert ist lediglich, dass zwei junge Männer bei der Explosion starben. Um die Ursache und die Folgen dieser Geschichte rankt sich Rita Maria Fusts Roman.

Rita Maria Fust zeigte während ihrer Lesung im Stadtarchiv auch immer wieder historische Dokumente. Fotos: Hense-Ferch
Rita Maria Fust zeigte während ihrer Lesung im Stadtarchiv auch immer wieder historische Dokumente. Fotos: Hense-Ferch
Interessiertes Premierenpublikum: Volles Haus im Stadtarchiv.
Interessiertes Premierenpublikum: Volles Haus im Stadtarchiv.

Aus diesem las die 42-jährige am Donnerstagabend einige Passagen vor. Darunter die ersten Kapitel, in denen der wohlhabende Lippstädter Kaufmann Ferdinand Overkamp vorgestellt wird, der im Laufe des Buches zum Totschläger und Mörder wird, einem Erpresser zum Opfer fällt und schließlich auch noch Familie und Heimat verliert. Detailgetreu und spannend schildert die Literaturwissenschaftlerin die historischen Ereignisse und Orte des Buches. So detailliert, dass man als Lippstädter förmlich das Gefühl hat, auf den Spuren der einstigen Bewohner zu wandeln, die vor 250 Jahren die Stadt bevölkerten. Marienkirche, Goldener Hahn, Einhornapotheke, Südertor – einige markante Punkte gab es schon, sie erleichtern die Orientierung in der Noch-Festungsstadt. Auch echte historische Personen hat Fust in ihr Werk einbezogen wie den Bürgermeister Dr. Rose, den Arzt Dr. Buddeus oder den Stadtsyndicus Clüsener, den sie beim Studium in alten Dokumenten aufgrund seiner krakeligen Handschrift als wüsten und jähzornigen Menschen erkannt zu haben glaubt.

Eine Besonderheit des Buchs ist der Gegenwartsteil, der im Jahr 2010 spielt und immer wieder die historischen Passagen unterbricht. Hier kommt der junge Student Oliver Thielsen nach Lippstadt und beginnt das Rätsel um den Kaufmann Overkamp aufzuklären. Er sucht nach Anhaltspunkten und Relikten der Vergangenheit – die er schließlich auch findet. Auch hier bemüht sich die Autorin um Detailtreue: Sie schildert ausführlich die Straßen und Pfade durch die Innenstadt, beschreibt Ereignisse des Jahres 2010 wie die Gründung der neuen Gesamtschule. Sogar die Vorsitzende des neuen Elternvereins der Schule kommt in Fusts Buch mit ihrer Eröffnungsrede vor – pikanterweise sitzt sie am Abend der Buchvorstellung im Publikum. Immer wieder Schmunzeln unter den Zuhörern, wenn Fust von „echten“ Ereignissen und Orten liest: Der schäbigen Bahnhofsunterführung, den Cafés in der Poststraße, wo der Cappuccino so gut schmeckt.

Leider geht so viel Detailtreue im Roman oft zulasten der handelnden Personen. Hier vermisst man als Leser ein wenig die Tiefe der Charaktere. Warum wehrt sich der durchsetzungsstarke und mächtige Kaufmann Overkamp nicht gegen einen kleinen miesen Erpresser, warum hält ein frisch verliebter Oliver Thielsen seiner Angebeteten bei einem Stadtrundgang Dauer-Vorträge über Lippstadts Stadtgeschichte? Das wirkt ein wenig konstruiert und arg auf Sachlichkeit reduziert. An solchen Stellen kommen Zweifel auf, ob nicht der Wunsch, ein authentisches historisches Buch zu schreiben, ein wenig zu sehr im Vordergrund stand. Auch die häufig eingestreuten Fußnoten wirken – auch wenn sie die akribische Recherchearbeit und Detailgenauigkeit der Autorin unterstreichen – ein wenig störend auf den Lesefluss und unpassend für einen Roman.

Lesung erfüllte die Autorin zahlreiche Signierwünsche.
Im Anschluss an Ihre Lesung erfüllte die Autorin zahlreiche Signierwünsche.

Dennoch ist „Kaufmann von Lippstadt“ eine spannende und interessante Lektüre – nicht nur für Lippstädter und Kenner der Stadt. Und das unterscheidet ihn von zahlreichen anderen historischen Romanen: „Viele historische Romane sind in ihren Geschichten austauschbar, die Städte sind lediglich Kulisse. Das ist hier anders: In der Lippstädter Historie gibt es reale interessante Geschichten, man muss sich gar nichts ausdenken“, so Stadtarchivarin Dr. Claudia Becker bei den einführenden Worten zu Rita Maria Fusts Lesung. Ein lebendiges Stück Stadtgeschichte zu liefern, in dem reale historische Rätsel und Fiktion verwoben wurden – das ist der Autorin ausgezeichnet gelungen. Wir sind gespannt auf die Fortsetzung!